Excell[entissi]me Celeberrimeque Do[min]e p. S.
Gester habe die Historiam Natur[aturalem] Helv[etiæ] Wagneri (für weliche höchsten danck sage)/ mit Mhghrn: D.ris werthesten schreiben vom 19. Jan: zu recht erhalten, obiter durchgelesen,/ und volgende sachen observirt
1. ist mir das wort Canum. p. 5 et p. 119 beinahen frömbd vorkommen; dann wenn von/ den grauwpündtneren ins gemein geredt wird, werden sie Grisones, oder Grisoni, genennet./ Wann aber von dem Oberen oder grauen Pund à parte geredt wird, so wird er, heut zu tag/ insonderheit, und in unsere Legibus Synodalibus, Fœdus Griseum; und nicht Canem genennet;/ und die Pundßschreiber werden Fœderis Grisei, und nicht Cani, Cancellarij intitulirt.
2. So komt auch das wort Catholicum, wann vom Gottßhaußpund geredt wird pag. 105
3. Gar wol hat Paracelsus die Acidulas S. Mauritianas, pr
Acidulis Göppingensibus/ præstantiores. p. 105
4. Der einte brunnen supra Curiam in pratis montanis (pag. 106) were beÿ Prada
Was den anderen anbelanget, könte fillicht eben der seÿn dessen dessen pag. 105./ sub finem gedacht wird; welcher aber nicht ad Plessuram, sonder ad Rabiosum,/ Corvantiorum
5. Scollium, dessen pag. 129. gedacht wird, ist wol Vicus Engadinæ Inferioris
NB. Das wort Engadina, hatt der beruhmte hr: Businus selig allezeit in seinen/ fürtrefflichen Versen, Œngadina geschriben, und gesagt es komme vom teutschen/ her: weilen der Œnus, Ÿn, da eingehe, oder seinen eingang habe.
6. Von den mure montano, wird niemand von unseren leuthen glauben daß ein/ animal seÿe ex mele
7. Von der Glorien (terpentin) ist auch zu wüssen, daß selbige nicht auß/ allen, sonder nur auß alten; und nicht an morastigen, feißten, und/ schattächtigen, Sondern an
steinächtigen, harten, und Sonnächtigen orten/ gelegenen lerchen, nur zur heissesten zeÿt (wie vor disem aus dem bericht des hrn: Martini P. Nicolai gemeldet) fliesse. ad
pag. 297.
8. Creta alba ist auch im Fillisurer territorio, beÿ dem wasser so/ ob Dawos herä herabfließt, under einen grossen felsen, in zimlicher/ quantitet zu finden. pag. 339.
9. Gÿps ist beÿ Tieffencasten, und an anderen orten, in Pündten,/ vil und gut - zu
finden. 339.
10. Von denen Metallis so in Pündten zu finden weren, könte ein ganzes tractätlein/ gestelt werden – Ich aber (sincerè zu reden) melde nicht geren weitläuffig hier-/von, wegen
mehr underschiedlichen ursachen die ich etwann ein mal,/ so es Gott gefelt, mundlich weitläuffiger bedeuten wil. p. 346. 352
11. Vom igne lambente, von der streiffenden oder lächzenden flamm
12. Die Procellæ thund hier in diser landschafft beinahem alle/ jahr grossen schaden – wie dann eben in disem jahr, im jan[]/ mann soliches an underschiedenliche grosse hoche
dicke tannen/ (weliche theils im mitten von einander gebrochen, und theils radicitus
Mein schreiben vom 17. und 19. jan: hoffe seÿe wol überlifferet --
Verlange keine andere satisfaction von der lästerenden zungen- weilen mein/ gewüssen mir satisfaction gnug gibt - und weilen einer der vor-/nemsten geistl: hrn: in unserem Land,
welichem ich dises vertraulich (ohne/ benamsung einiger person) geklagt, mir also antwortet und rathet: os viru-/lentum, preces tuas virulentas dixerit: linguâ non
Pentecostali, sed ge-/hennali igne æstuans: attamen in præsens dissimula
Daß aber Mhghr: D.r des gebätts, weder in guten noch in bösen gedacht,/ schreibe ich einer gl klugen Politic zu. So die Censur soliches nicht/ wil trucken lassen, bitte mir meine Manuscripta zuruck zu senden./ Gott führe auch das beÿ ihnen zimlich weit außsehende geschäfft an ein/ guts end! und Segne alle gute ratschläg!
Von denen 2. letsteren bögen (ja ersteren); dann sie meinen discoursen/ vorgegangen) wil ich trachten, mit gelegenheit, ein exemplar zu bekommen und zu/ senden. Wil auch den verlangten Crystallen nachforschen./ Hrn: D.ri Picenino congratulire ich, und resalutire ihn auch von hertzen./ Den einschluß recommendire ich caldamente
und verbleibe, nebend frser: begrüsung und samtlicher emp-/pffehlung der gnaden Gottes.
Nuffenen den 3. Febr:
1700. cursim
Excell[enti]æ v[ostr]æ
devinct[issi]mus
Leonhardu[s]
Johannes Christian Leonhardi an Johann Jakob Scheuchzer, 13. Februar 1700, in: "Lettres des Grisons": Wissenschaft, Religion und Diplomatie in der Korrespondenz von Johann Jakob Scheuchzer. Eine Edition ausgewählter Schweizer Briefe (1695–1731), ed. von Simona Boscani Leoni, République des Lettres 2019, https://republique-des-lettres.ch/edition/scheuchzer-korrespondenz/letter/18065.