Excell[entissi]me Celeberrimeque Do[min]e p.S.
Die exemplaria Historiæ Wagneri habe wol bekommen,/ selbige schon guten hrn: und Fautoribus zugesendet, und werde/ trachten in das künfftige fleissiger, als jezunder etwas/ zeÿt geschehen, Mhghrn: D.ris lobliches dessein, best möglichkeit,/ zu fürderen.
Mein geschribenes tractätlein de Conscientia, bitte ihro Wßht:/ und Gn:
hrn: Burgerm:r Mejer, mit versicherung meines
ge-/horsamsten respects, zu communiciren; und sie demüthigist zu/ bitten daß sie nur pag: 17.m zu lesen sich würdigen,/ auff daß sie mich desto eher
für entschuldiget halten, daß ich/ widerum (conscientiâ actus, DEO et conscientiâ testibus
Fürwer, fürwer wann ihr Wßht: und Gn: und die lobl. Stände/ Zürich und Bern, wie auch
das Hochw: Ministerium wüßten/ wie die sachen beÿ uns stehen, so wurden sie zu unserer/ und ihrer erhaltung, ernsthaffter zur Mediation treiben:/ ich bin im land, und hab
correspondentz mit vilen, von der/ einten und anderen Faction, aber ich hab doch die sachen/ bißhar nicht recht penetriren können, noch auff den grund/ kommen: und jezunder
darff ich dem papÿr soliches nicht/ anvertrauen; aber mundlich wolte ich sies auffrich-/tig, und unparteÿsch anzeigen, wann ich nur gelegenheit/ und
anlaaß hatte hinunder zu reisen; reisete ich aber/ ohne anlaaß, so sagte der einte oder der andere, ich reisete nur/ der einten, oder der anderen part zu lieb etc:
Dises, was Lippis et tonsoribus notum
Daß die hhrn: Häupter an die lobl. Ständ geschriben haben, daß/ sie sie berichten sollen was für klägten der Gottßhp: wider/ sie führe, komt vilen in den anderen 2. pündten lächerlich/ vor, dann soliches auß den abscheiden und protocollen/ gnugsam bekant. Daß dise 2.
Pündten die Mediation der/ lobl: Ständen so sehr evitiren, ist sich zu verwunderen,/ und justificirt ihre sach nicht. Der grösste vorwand, ist/ die unkostung – Was aber bißhar
für unkostung/ ergangen, ist meistens zwüschen dem Gottßhp: und der/ Statt ergangen
– Die unkostung der Mediation/ wurde nicht so groß seÿn. Ja durch die währende/ verwirrung leidet der Stand mehr schaden nur in einem/ jahr alß 2. mediationes kosteten.
Hiemit wolte ich ihr Wßht: un[---]
Dises ist, was ich auff diß mal, under vilfaltige andere/ Geschäfft, hab schreiben müssen – Bitte soliche ihro/ Wßht: und gn: in meinen nammen, demüthigist zu/ repræsentiren, und unsers Stands erhaltung, wie/ auch meine wenigkeit, zu recommendiren
DEUS nobiscum!
Nuffenen den 25. Apr:
1700. cursim.
Excell[enti]æ tuæ
devinct[issi]mus
J Leonhardus.
A Monsieur
Monsieur le Docteur
Scheuchzer, mon
tres honore Patron.
à Zurich.
Zu Chur, ihro WolEhrw:
hrn. Schucano, pl.ma cum
salute, recommendirt.
Johannes Christian Leonhardi an Johann Jakob Scheuchzer, 6. Mai 1700, in: "Lettres des Grisons": Wissenschaft, Religion und Diplomatie in der Korrespondenz von Johann Jakob Scheuchzer. Eine Edition ausgewählter Schweizer Briefe (1695–1731), ed. von Simona Boscani Leoni, République des Lettres 2019, https://republique-des-lettres.ch/edition/scheuchzer-korrespondenz/letter/18073.