Ihro Excellenz etc.
Hochwerthister Herr, und Patron! Nachdeme/ von Ihro Excellenz ohnwergleichlicher geschikhtlig-/keit, und Experienz schon, so vill Ruhmwürdigistes/ ich gehört; Alls habe mich
erfrechen dörffen, Dero/ hoche Judicio beÿligenden casum vorzulegen, mit/ gehorsamster bitt, darüber zu reflectieren, ob, und/ wie dem übel möchte abzuhellffen seÿn? Der/
Patient lebet vitam à potiori sedentariam
Die ihme an seinen occupationibus verhinderlich:/ bittet Derohalben nur, ob ihme mit etwas solchem/ khönte geholffen
werden, das Er darneben noch seinen/ geschäfften möchte abwarthen, oder wie lang er von solchen/ sich enthallten müsste; auch wie will die die Cura/ ohngefähr khosten thätte? Dan er nit seines gewalts./ Ihro Excellenz werden in disem ein grosses werkh/ Der barmhertzikeit üben, unnd der
Patient sich/ ohnsterblich höchst verobligiret erkhennen. Da/ ich mit all- schuldigster Veneration underdessen lebe
Ihro Excellenz MhgEhrtisten Herren und Patronen
gehors: ergebsten diener
P. Ambrosius Müller Pfarrer zu Ragatz
Ragatz den 15. Junii 1723
P.S. Mann thut mich auch einer/ allzuhitzigen läberen beschulden;/ Dessen die offt auffspaltende/ lesstigen villeicht sattsames/ anzeigen, seÿend; oder khombt/ es von dem acido?
Je wärmer mir ist, ie bleicher/ bin ich in dem angesicht.
P.S. Diss gebettene Consilium will/ Der Patient Dankhbarlichst/ bezahlen; mit bitt, dem Herr/ Dr Frood zu Ragatz
Ambros Müller an Johann Jakob Scheuchzer, 15. Juni 1723, in: "Lettres des Grisons": Wissenschaft, Religion und Diplomatie in der Korrespondenz von Johann Jakob Scheuchzer. Eine Edition ausgewählter Schweizer Briefe (1695–1731), ed. von Simona Boscani Leoni, République des Lettres 2019, https://republique-des-lettres.ch/edition/scheuchzer-korrespondenz/letter/18229.