Albrecht von Haller (1708-1777)

Spätwerk

Hallers Rückkehr in die Schweiz war kein Rückzug aus der Gelehrtenrepublik. Er unterhielt weiterhin einen ausgedehnten Briefwechsel mit Persönlichkeiten aus ganz Europa, von dem sich 3’700 Briefe an und 13’300 Briefe von 1’200 Korrespondenten erhalten haben. Auch seine wissenschaftliche Tätigkeit führte er weiter. Die bereits in Göttingen begonnenen embryologischen Forschungen intensivierte er und veröffentlichte seine Hauptwerke über die Entwicklung des Hühnerembryos 1758 und 1767. Sein opus magnum, die Elementa physiologiae, erschienen in 8 Bänden über einen Zeitraum von 10 Jahren (1757–66) und blieben bis ins 19. Jahrhundert das Standardwerk des Fachs. Seine Sicht über Anatomie und Physiologie stellte er einem breiteren Publikum in 200 Artikeln der Yverdoner und den Supplementbänden zur Pariser Encylopédie (1772–77) vor. Eine zweite, stark erweiterte Ausgabe seiner Schweizer Flora publizierte er 1768. Abseits von den grossen Zentren der gelehrten Welt baute er seine grosse Bibliothek mit über 23’000 Titeln zur Medizin, Botanik und den Naturwissenschaften aus.

Das letzte Jahrzehnt seines Lebens widmete Haller unter anderem der Edition kritischer Bibliographien der Botanik, Anatomie, Physiologie, Chirurgie und praktischen Medizin. In 10 Bänden präsentierte und kommentierte er 50’000 Werke aus allen Bereichen der Medizin. Zudem schrieb er drei Romane über die verschiedenen Staatsformen und religiöse Schriften gegen die Freidenker, insbesondere Voltaire. Haller erlebte vielleicht die grösste Genugtuung seines Lebens im Juli 1777, ein halbes Jahr vor seinem Tod, als Kaiser Joseph II. es auf seiner 'inkognito'-Reise durch Europa ablehnte, Voltaire in Ferney zu besuchen, aber den Berner Gelehrten in seiner Stube aufsuchte.

Zitiervorschlag

Hubert Steinke / Martin Stuber, "Albrecht von Haller (1708-1777)", République des Lettres 2024, https://republique-des-lettres.ch/actor/haller.