"Lettres des Grisons": Wissenschaft, Religion und Diplomatie in der Korrespondenz von Johann Jakob Scheuchzer. Eine Edition ausgewählter Schweizer Briefe (1695–1731)
ed. von Simona Boscani Leoni, République des Lettres 2019

Die Mailänder Kapitulate

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waren Verträge zwischen dem Herzogtum Mailand, den Eidgenossen und ihren Zugewandten Orten. Anlass dazu gaben die ständigen Übergriffe aus dem Norden auf die Alpensüdseite, die zur Eroberung ganzer Talschaften führten. Die Artikel der Kapitulate regelten die politischen, wirtschaftlichen, verkehrspolitischen und rechtlichen Beziehungen der Parteien. 1639 schlossen die Drei Bünde ein Kapitulat mit Mailand und Spanien: danach wurde die Ausübung des reformierten Bekenntnisses im Veltlin untersagt und dem Bischof von Como wurde das Visitationsrecht sowie die geistliche Gerichtsbarkeit über alle Untertanengebiete gewährt; die Souveränität Bündens über das Untertanenland wurde von Spanien eingeschränkt.
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In Mailand wurde das Kapitulat in Anwesenheit der Häupter der Drei Bünde (Landrichter Conradin Castelberg, Bürgermeister Johann Bavier und Landammann Meinrad Buol) beschworen. 1726 und 1763 schlossen die Drei Bünde mit den Habsburgern, die Mailand beherrschten und starken konfessionellen Druck ausübten, noch zwei Kapitulate ab. Das Kapitulat von 1726 bestätigte im wesentlich die Bedingungen des Vertrags von 1639.

Die Beziehungen zwischen Mailand und den Bünden waren nicht nur aus politischen, sondern auch aus wirtschaftlichen und verkehrspolitischen Gründen wichtig, da die Mailänder und Genueser Firmen die Bündner Pässe dem Gotthardpass vorzogen.

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