"Lettres des Grisons": Wissenschaft, Religion und Diplomatie in der Korrespondenz von Johann Jakob Scheuchzer. Eine Edition ausgewählter Schweizer Briefe (1695–1731)
ed. von Simona Boscani Leoni, République des Lettres 2019

Mit „Sagenser Handel“

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bezeichnet man die konfessionellen Auseinandersetzungen zwischen Ende des 17. und anfangs des 18. Jahrhunderts in den Drei Bünden. Grund für den Streit, der beinahe in einen Bürgerkrieg ausartete, war das Problem der Vertretung der Konfessionen in der Gerichtsgemeinde der Gruob (die Region um Ilanz), die mehrheitlich reformiert war, und in den Ämtern der Untertanengebiete. Begonnen hatte die Krise in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Katholiken fühlten sich übergangen und kritisierten den Ämterhandel. 1661 trennten sich die Katholiken von Ruschien, Ladir, Falera und Sagogn (Sagens), auch von Ilanz und bildeten ihre eigene Gerichtsgemeinde. Zwischen den Parteien kam es zu zahlreichen Auseinandersetzungen und die Verhältnisse in der Region verschlimmerten sich derart, dass sich die Drei Bünde einschalteten. Deren Vertreter gerieten im Oktober 1701 in einen handgreiflichen Konflikt, der zu einer ernsthaften militärischen Krise führte. Am 28. Oktober 1701 wurden die katholischen Gemeinden bei einem Vergleich mit hohen Bussen belegt. Ob diese tatsächlich auch beglichen wurden, ist unklar. In November 1701 trafen sich alle Vertreter der katholischen Gemeinden der Drei Bünde in Reichenau. Lange und komplizierte Verhandlungen führten dazu, dass die Drei Bünde den Streitparteien ein Ultimatum setzten. Erst 1710 wurden die Gerichtsgemeinden in der Gruob wiedervereinigt.
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