"Lettres des Grisons": Wissenschaft, Religion und Diplomatie in der Korrespondenz von Johann Jakob Scheuchzer. Eine Edition ausgewählter Schweizer Briefe (1695–1731)
ed. von Simona Boscani Leoni, République des Lettres 2019

Biographische Angaben

Bonifaz Tschupp wurde 1628 in Sursee geboren; er legte 1645 in Einsiedeln die Profess ab, wo er mehr als 10 Jahre später Professor der Philosophie und der Theologie und 1664 Subprior des Stiftes wurde. Ein Jahr später war er als Statthalter in Pfäffikon und 1670 in der Herrschaft Ittendorf (Grossherzogtum Baden) tätig. 1677 wurde Tschupp von seinem abgesetzten Vorgänger Justus Zink sowie den Prälaten von Einsiedeln und Muri zum Abt von Pfäfers gewählt. Abt Bonifaz musste den Betrieb des Klosters reformieren und die Gebäude erneuern, weshalb dieses von Rom im Jahr 1682 auf 30 Jahre dem Stift Einsiedeln inkorporiert wurde. Die Union dauerte aber nur bis 1692. Die Klosterkirche und die Gebäude wurden unter Abt Bonifaz Tschupp 1694 vollendet, und unter seiner Führung gelang die finanzielle Gesundung des Hausaltes des Stiftes.

Briefwechsel mit Scheuchzer

Scheuchzer an Tschupp, 12.05.1705

Es hat mich nit nur die preis würdige kraft des/ weltbekhanten <…> heilwaßers zu Pfeffers, so <…> / E. HochF[ü]rstl. Gnd. eigenthümlich, <…>, sonder/ auch die unverdienten gnaden wurde höflichgkeiten <…>, welche/ vor meine in letst verschinen Jahr in dero Loblichen/ Gotteshauß und Badlogement genoßen, veranlaßet / sowol dise eigenhendige Riße mit nit geringen unkösten in Kupfer zu-/bringen als auch eine ungemeine/ Beschreibung in <…> wenig bletteren also zu verfaßen/ das die Gelehrte und curiose welt darvon nit / wenig liecht schöpfen, und dem waßer selbs deß nach verhoffent/lich nit zu geringen ehr eine nit geringe/ ehre erwachsen wird. Die sach selbs lege mit unterthänige gehorsame schuldigen respect zu Ew. F[ü]rstl. Gnd./ füßen, und verbleibe etc.

ID 18227

Tschupp an Scheuchzer, 26.05.1705

Daß Ihr Excellenz deß wenigen und geringen, so Ihren/ vor einem Jahr in Unserem land erwisen worden/ gedänckehen wollen, ist mehr dero civilitet, alß dem/ geringe favor anzuschreiben. Für die überschickte/ so wohl curiose alß ingeniose, anatomia oder analysi/ deß Pfefersßheÿlwaßer, sage zimenden danckh, in demme/ darunter vermerckt wirdt, daß Ihr Excellenz kräfftiger/ die partes eineß Medici und Naturkündigers, als eines Geo-/grafi und Jurisperiti pertiniert, beÿ welche die Schutz und/ Schirmßgerechtigkheit, kein botmäßigkheit gibt, und/ deßwegen die histori beÿ einem und anderen ein saur/ gesicht erweckt: quo per parenthesin in secretam aurem dicta velim. Die statt deß freÿwilligen und indebit/ übersendten tributi chartacei, wollen Ihr Excellenz beÿ/ gehefften kleinen pfening alß ein merckmahl meineß gantzen/ geneigten gemüethß auf und anemmen, selbe versicherende/ daß ich zur Erweisung alleß geneigten willenß, mich willig/ und bereit einfinden laßen werde. Wormit ich Ihr/ Excell[enz] göttlicher obhut erlaße, und verbleibe Dero

ID 18228