"Lettres des Grisons": Wissenschaft, Religion und Diplomatie in der Korrespondenz von Johann Jakob Scheuchzer. Eine Edition ausgewählter Schweizer Briefe (1695–1731)
ed. von Simona Boscani Leoni, République des Lettres 2019

Biographische Angaben

Johann (von) Bavier (1662-1721) stammte aus einer führenden Familie der Stadt Chur; Sohn des Zunftmeisters Rudolf Bavier, studierte in Zürich, Paris und Padua. Im 1681 Promotion zum Doktor der Medizin und der Philosophie. Er wurde zum Churer Stadtphysikus ernannt und amtete als Badearzt in verschiedenen Bündner Bädern. Durch die Rebleutenzunft konnte er in der Churer Politik aufsteigen. Zwischen 1711-1720 war er im jährlichen Turnus Amts- und Ruhender Bürgermeister von Chur. 1685 Bundsschreiber, wiederholt Churer Bundstagsgesandter, 1707 Präsident der Syndikatur (Verwaltungskontrolle der Untertanenlande), 1720-1721 Bundspräsident des Gotteshausbundes. Er schrieb eine Kurtz und grundliche Beschreibung dess weitberühmten hailsamen Saurbronnen und Bads zu Fideris (Bonaduz, 1707).

Briefwechsel mit Scheuchzer

  • Zeitraum: 1700-1707
  • Umfang nach Steiger (1933), S. 50: Briefe: 3 (1)
  • Standort:ZB Zürich Ms H 325, S. 3-6 und Ms H 327, S. 197

Forschungsliteratur

Bavier an Scheuchzer, 18.10.1707

Zu dienstl[icher] Anthworth meineß hochg[eehrten] herren Doctoris/ freündtge[bige]. vom 15.ten hujus, thut mich seine glückhliche/ zuerugkummfft von Neüwburg sonderß freuwen, darneben/ siche waß mein Sohn Ruedolff für ein und andere büecher/ zur seinen vorhabenden studijs benötiget, wellche, weilen/ ich sie nicht beÿ handen, Ihme â Costi könen eingekaufft/ und angeschafft werden. Dato sende Ihme den Quintum/ Curtium, Grammatticam Græcam et Manuale Græcum,/ deren sich beÿ herren Hospinian in der privat institution/ zur bedienen. Daß Arascher mineral wasser belangendt./ Entspringet solcheß ein halb stunndt oberhalb Chur in Ara-/schga in einem tieffen ohngeheüren Tobel an dem waldwasser/ oder bach Rabius genandt, ist in lobl. landtschafft Churwalden/ und allso in dem lobl. X. Gerichten Pundt gelegen, die quell/ diseß mineral wasserß ist sehr gering und klein, allso daß,/ wann selbige zur Sommerß zeit am grösten, nit sterkher allß/ ein Giefass hennlein gehet, und so zwanntzig Persohnen in loco diseß wasserß sich pro cura bedienen wolten, in einem/ gantzen vormittag mit genuegsammeß wasser haben und auf-/fassen könnten. Über diß hat diseß minerale noch disen defect,/ daß weilen solcheß sehr tieff in einem ohngeheüren tobel und/ hart an dem bach Rabius ligt, mann erstlichen ohnegefehr nit/ wohl darzur gehen kan, zur deme so offt ein starkher Regen/ kommpt so laufft diseß wasser Rabius starkhan, über läufft/ über seine Furth und vermischet sich mit dem mineralwasser,/ wellcheß mann nit wohl verhinderen kan, so recht zur bedauren./ Dann eß ist diseß mineralwasser von vortrefflicher qualitet/ und würckhung sonderheitlichen in allen obstructionibus internis/ zur gebrauchen, hat einen ganntz lieblichen Gust ein wenig saltzechtig,/ Sauwerlecht und Recent, halt in sich ein rechteß sal Hermeticum/ einen Vitriolum Martis und ein wenig Alum[inium] Hr: Doctor Väpfer/ seêl[iger] hat mier beteüret, daß seineß wüssenß und erachtenß/ in Europa kein vortrefflicherß mineral wasser anzutreffen/ wormit verharre nechst all seitiger hertzlichen salutation und Göttlichen / obsichtß erlassung. Chur den 18. 8bris 1707

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